Mit dem Euro geht es erwartungsgemäß weiter bergab. Dieser notierte am 1. Juni 2010 an den Börsen wohl auch wegen eines Berichts der »Europäischen Zentralbank« (EZB) so tief wie seit vier Jahren nicht mehr. Nicht zu Unrecht wächst die Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Stabilität der »Europäischen Union« (EU). Als Folge stürzte der Euro um fast zwei US-Cent auf ein Vier-Jahres-Tief von 1,2112 Dollar ab.
Negativ schlägt für die Euro-Zone der EZB-Bericht zu Buche, der von zu erwartenden milliardenschweren Abschreibungen bei den Banken in der Währungsunion ausgeht.
Im Finanzstabilitätsbericht der EZB hatte es geheißen, die Banken der Euro-Zone müßten sich noch lange auf Abschreibungen in dreistelliger Milliardenhöhe einstellen. In den Büchern der Kreditinstitute dürften bis Ende 2011 schätzungsweise noch Abschreibungen auf faule Kredite in Höhe von 195 Milliarden Euro schlummern.
Das mit Abstand größte Risiko für die finanzielle Stabilität der Euro-Zone liegt laut EZB derzeit in der sogenannten Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen. Hier seien die Regierungen gefordert, für eine solide Haushaltspolitik zu sorgen und zu verhindern, daß eine Flut öffentlicher Anleihen die Refinanzierung von Unternehmen und Banken über den Kapitalmarkt erschwert. Zudem müßten die negativen Folgen hoher öffentlicher Schulden für den Finanzsektor begrenzt werden, um eine Ausweitung der Krise zu verhindern.
Die milliardenschweren staatlichen Maßnahmen wie der Schutzschirm für klamme Euro-Länder – sowie das Ankaufprogramm der EZB für Staatsanleihen – hätten diese Risiken angeblich merklich reduziert, heißt es in dem Bericht. Und das ist natürlich glatt gelogen.
Die EZB hat Anfang Mai 2010 erstmals seit Einführung des Euro vor elfeinhalb Jahren mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen, um Problemländer wie Griechenland zu stützen. Dazu sagte am 31. Mai 2010 zwar etwas zurückhaltend aber dennoch deutlich der Präsident der Deutschen Bundesbank Axel Weber: »Die Geldpolitik hat in der Krisenbewältigung neue Wege eingeschlagen, die ich angesichts der damit verbundenen stabilitätspolitischen Risken nach wie vor kritisch sehe«.
Damit ist genau die neue Praxis der EZB gemeint, gegen den Willen der Bundesbank die Staatsanleihen nahezu bankrotter Staaten anzukaufen, für die sich auf dem freien Kapitalmarkt keine Käufer mehr finden, weil es sich letztlich um Schrottpapiere handelt. Im Grunde wurde damit stillschweigend die Notenpresse angeworfen. Anstatt die Geldschwemme durch Abschöpfung überschüssiger Liquidität aus den Märkten zu auszutrocknen, wird das Gegenteil praktiziert und die Geldmenge drastisch erhöht. Damit wird der Inflation Tür und Tor geöffnet. Schon wird kolportiert, daß man so versuchen wolle, über eine Inflationsrate von acht Prozent die öffentliche Verschuldung allmählich abschmelzen zu lassen.
Die Sache dürfte nur einen Haken haben: Eine Inflation läßt sich niemals steuern, so wie es manchen Finanz-Strategen wohl vorschwebt. Die Zeche werden natürlich die normalen Menschen zahlen, deren Ersparnisse inflationiert werden, weil sie nicht wie die herrschende Klasse rechtzeitig Vermögen einfach beiseite schaffen können.
Quelle: Deutscher Standpunkt

