
Die Welt ist schon derart an Lüge und Heuchelei in der Politik gewöhnt, daß Unlogik gar nicht mehr auffällt. So wird in der Überschrift „WikiLeaks kämpft weiter – Trotz Assanges Verhaftung will die Plattform weitere Depeschen veröffentlichen“ DLZ, 08.12.10, S. 1, das Weitermachen als etwas Unerwartetes herausgestellt. Und diese Verwunderung wird im Vorspann noch durch die Frage bekräftigt: WikiLeaks ohne Julian Assange – geht das?
Was hat die Verhaftung eines Menschen wegen Vergewaltigung – ob zu Recht oder nicht spielt dabei kaum eine Rolle – mit einer Aufdeckung politischer Machenschaften einflußreichster politischer Kreise zu tun?
„Natürlich ist die Anklage wegen Vergewaltigung nur der Aufhänger, um einen solchen ‚Störenfried‘ zur Strecke bringen zu können“, werden viele Bürger sagen, die sich etwas eingehender mit Politik beschäftigen. Sie merken aber gar nicht mehr, welche Verlogenheit es bedeutet, ein unerwünschtes, aber offensichtlich nicht gesetzlich zu verfolgendes Öffentlichmachen von Geheimakten über eine sachfremde Gesetzesschiene zu verfolgen.
Wer ist nun dieser Herr Assange?
Dazu heißt es: Assange selbst bezeichnet sich als „Herz und Seele“ der Organisation, als Gründer, Sprecher und Programmierer. Insofern ist die Verwunderung, daß „weitergekämpft“ wird, erklärlich. Aber Assange müßte schon ein Stümper sein, wenn er vor der Veröffentlichung so gefürchteter Dokumente nicht Vorsorge getroffen hätte, daß seine Mitarbeiter „Programmiertes“ vorliegen haben, um es ohne seine Hilfe zu veröffentlichen. Und daß Verfolgung zu befürchten ist, erfährt man in einem Bericht von FTD Mobil, Latest News Börse, Politik, 03.12.2010 „Verschlüsselte Lebensversicherung“.
Thomas Immanuel Steinberg zeigt noch weitere Verbindungen des Herrn Assange auf, und zwar unter der makabren Überschrift „Damit wir die Blutsuppe löffeln – WikiLeaks und die Kellner
(http://www.steinbergrecherche.com/reusa.htm#Blutsuppe)
Er zitiert den WikiLeaks Gründer mit folgender Zielrichtung: Unser oberstes Ziel sind diese hochgradig repressiven Regime in China, Rußland und Zentralasien, doch wir erwarten auch, hilfreich für diejenigen im Westen zu sein, die illegales oder unmoralisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen aufdecken wollen.
Der erste Teil dieser Willensbekundung findet in der „westlichen Welt“ ungeteilten Beifall. Die Kritik an den „eigenen“ westlichen Regierungen, wird manchem nicht gefallen. Kann sie aber wirklich befreiend sein?
Schauen wir uns an, mit wem Assange enger verbunden ist. Steinberg schreibt mit Bezug auf Michel Chossudovsky: Als Kellner hat er nicht die halbwegs rebellische Huffington Post, nicht salon.com engagiert, sondern unter anderem die New York Times, deren Mitarbeiterin Judith Miller mit falschen Berichten über irakische Massenvernichtungswaffen die US-Mordmaschine für den Überfall auf den Irak 2003 schmierte.
Beziehungen bestehen auch zu Nijirah al-Sabah: Sie berichtete am 10. Oktober 1990 vor dem US-Kongreß über angebliche irakische Greuel während der Invasion Kuwaits. Sie habe gesehen, wie irakische Soldaten in ihrem Krankenhaus Säuglinge aus den Brutkästen geholt und sie auf dem kalten Boden hätten sterben lassen.
al-Sabahs Bericht ebnete der Bush-Senior-Regierung den Weg zum US-Überfall auf den Irak 1991. amnesty international hatte das Greuelmärchen monatelang wiedererzählt. Vor allem deshalb wurde es geglaubt.
Damit ist zugleich auch die angeblich für Recht und Menschlichkeit eintretende „amnesty international“ gekennzeichnet. Ein solch mutiger, wirklicher Rebell gegen das „Establishment“, wie öffentlich der Eindruck erweckt wird, ist Assange also nicht.
Nun gibt es noch einen weiteren Hinweis, das Assange nicht der mutige Aufklärer ist, wie er nach den ersten Meldungen erschien. Unter http://www.oliverjanich.de/?p=204 vom 10 12 2010 „Die Wikileaks-Inszenierung der Neuen Weltordnung: eine logische Analyse macht Oliver Janich darauf aufnmerksam: Es ist nicht anzunehmen, daß sich unter 250.000 Dokumenten aus Regierungsbehörden nicht einmal ein einziges findet, wo sich ein Staatsbediensteter kritisch über 9/11 äußert. Wenn man über gefährliche Machenschaften für die gesamte Menschheit aufklären will, dann gehört dieses Thema zu den wichtigsten. Aber der Beweis kann noch unmittelbarer geführt werden, denn: Assange selber hat sich verächtlich über Verschwörungstheorien bezüglich 9/11 geäußert.
Auch die Tatsache, daß ein weltweit Gejagter drohen kann, spricht für mächtige Hinterleute.
Assange droht seinen Feinden
In einem Internet-Chat warnt der per Haftbefehl gesuchte Australier die Gegner von Wikileaks: Selbst sein Tod könne den Geheimnisverrat im Netz nicht stoppen.
Nach „The Guardian“ hat Assange für sich und seine engsten Mitarbeiter gesagt:
Wenn uns etwas zustößt, werden die entscheidenden Teile (der US-Diplomaten-Akten) automatisch veröffentlicht.” Die Sammlung aus 250.000 amerikanischen Depeschen sei verschlüsselt an mehr als 100.000 Menschen gegangen. Zudem hätten diverse Medien Zugriff darauf. Interessant ist es, daß solche Drohung eine „verschlüsselte Lebensversicherung“ genannt wird. Als Erich und Mathilde Ludendorff während der NS-Zeit einmal von der Post abgeschnitten waren und mit einer Verhaftung rechnen mußten, haben sie auch verkündet, daß dieser Vorgang im Ausland bekannt sei. In gleicher Weise, nämlich durch Veröffentlichung, reagierte Erich Ludendorff, als er von einer Loge ein Todesurteil zugesandt bekam. Nach der Veröffentlichung konnte die Loge nur behaupten, das Urteil sei nicht echt. Wenn die gewünschte Einschüchterung nicht erreicht wird, ist der Plan geplatzt, denn die Veröffentlichung einer Drohung ist der beste Schutz. Assange verkündet auch siegesgewiß: Die Geschichte wird siegen. … Die Welt werde zu einem besseren Ort. Zur Frage: Werden wir überleben? meint er: Das hängt von Ihnen ab. Damit meint er wohl die Leser. Je mehr Menschen über die Geheimdiplomatie empört sind, desto schwerer sind die Enthüllungen wirkungslos zu machen. Assanges Vorsicht scheint zumindest nicht unbegründet zu sein: Unter anderem hatte sich ein kanadischer Regierungsberater dafür ausgesprochen, ihn zu töten.
Ein „Enthüller“ braucht kein Edelmensch zu sein
Nun braucht jemand, der verbrecherische Machenschaften enthüllt, selbst kein Edelmensch zu sein. Bei Assange haben wir im Abschnitt „Wer ist Assange“ ja bereits einige Fragezeichen gesetzt. Wenn es stimmt, was in der oben genannten DLZ-Meldung mitgeteilt wird, hat der Herr Assange zumindest keine guten Umgangsformen. Er soll zu einem skandinavischen Kritiker gesagt haben: Wenn Du ein Problem mit mir hast, verpiß dich!
Wichtiger ist allerdings, wieweit seine Enthüllungen wahr sind. Daß es bei der Geheimdiplomatie etwas Verbrecherisches zu enthüllen gibt, steht außer Frage. Aber hinter Herrn Assange werden eben auch Mächtegruppen stehen, die ihrerseits verlogene Politik betreiben wollen oder ein heuchlerisches Doppelspiel betreiben. So soll die US-Führung nach
http://www.guardian.co.uk/world/2010/dec/05/wikileaks-cables-saudi-terrorist-funding an der Enthüllung der finanziellen Unterstützung von „Terroristen“ durch Saudi Arabien interessiert gewesen sein. Dazu wird angeführt:
WikiLeaks cables portray Saudi Arabia as a cash machine for terrorists (Wikileaks Meldungen (Depeschen) bezeichnen Saudi-Arabien als eine Zahlungsmaschine für Terroristen).
Im Text heißt es (übersetzt) US-Außenministerin Hillary Clinton verkündet: Saudi-Arabien ist die größte Geldquelle für militante Islamistengruppen wie die afghanischen Taliban und die Lashkar-e-Taiba in der Welt. Aber die saudische Regierung weigert sich, diesen Geldfluß zu stoppen. Nun ist die saudi-arabische Regierung eigentlich ein guter Verbündeter der USA in Nahost, – wie an anderer Stelle noch herausgestellt wird –, dem man nicht gern öffentlich solche Vorwürfe macht, zumal die Zahlungen nur Zugeständnisse der Regierenden an die Bevölkerung sind, die mit allen bedrängten Glaubensbrüdern mitfühlt. Aber über inoffizielle Enthüllungen, die man allerdings kaum bestreitet, kann man unverfänglicher Vorwürfe erheben.
Nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch andere Staatsführungen in Nahost werden bloßgestellt. Diesmal allerdings in anderer Richtung, nämlich als Scharfmacher gegen den Iran.
Ein „Internationaler Nachrichtenüberblick: Wikileaks und Iran“ vom 30. November 2010 meldet unter:
http://www.hagalil.com/archiv/2010/11/30/iran-66/
Die arabische Welt ist Veröffentlichungen der Enthüllungsseite Wikileaks zufolge über das iranische Atomprogramm offenbar viel besorgter als bislang bekannt. Wie aus den amerikanischen Depeschen hervorgeht, die seit Montag online sind, drängte der saudische König Abdullah die USA bereits mehrfach zu einem Angriff, um das Atomprogramm des islamischen Landes zu stoppen. Man müsse der Schlange den Kopf abschlagen, solange es noch möglich sei, wurde der Monarch zitiert.
Unter der Zwischenüberschrift: „Betretenes Schweigen am Persischen Golf“ erfährt man:
Auch die Golfstaaten verstehen sich nur scheinbar gut mit Teheran. [...] Seit Wikileaks in der Nacht zu Montag Dateien mit Diplomatenkorrespondenz ins Internet stellte, herrscht unter den Potentaten am Golf betretenes Schweigen. Was bisher nur in vertraulichen Runden geäußert wurde, ist jetzt schwarz auf weiß im Internet nachlesbar. Ungeschminkt spiegeln die Depeschen der US-Botschaften an ihr Außenministerium in Washington wider, was die meisten Regime im Nahen und Mittleren Osten wirklich über die Islamische Republik denken.
Wenn die Golfstaaten ein Doppelspiel versuchten, sowohl Verbündete der USA als auch des Iran zu sein, dann könnte die Kriegspartei in den USA die Enthüllungen sogar veranlaßt haben, damit sich die Staaten entscheiden müssen. So sieht das auch Teheran und bezeichnet die Enthüllungen als Zweckpropaganda derer, die sich öffentlich am meisten darüber aufregen.
Die Veröffentlichungen stören Israel offensichtlich nicht
Weiterhin wird ausgeführt: Israel sieht sich wegen der Enthüllungen in seinem Standpunkt bestätigt.
Überhaupt tut Israel so, als könnte es selbst nicht in schlechtes Licht kommen, denn es heißt in dem Beitrag
http://www.jungewelt.de/2010/12-08/008.php Offensive gegen Teheran – Hintergrund. Über die Wikileaks-Depeschen, die Mainstreammedien und die Kriegshetze gegen Iran/ Von Knut Mellenthin unter „Beifall aus Israel” u.a.: Premier Netanjahu hatte zuvor alle Politiker der Welt aufgerufen, sich an Israel ein Beispiel zu nehmen und in der Öffentlichkeit nicht anders zu sprechen als hinter verschlossenen Türen. Dann brauche man kein Dokumentenleck zu fürchten. Dazu der passende Kommentar von Mellenthin: Ausgerechnet den israelischen Premier als Beispiel eines Politikers anzuführen, bei dem Worte, Absichten und Taten übereinstimmen, geht allerdings sehr weit an der Realität vorbei.
Ein gewisser Unterschied zwischen Israel und den anderen Staaten besteht allerdings dadurch, daß sich Israel wegen der weltumspannenden Macht seiner Lobby größere Offenheit leisten kann, das auch zu sagen, was es denkt und auch danach zu handeln. Denn ein Staat, der sich in den mehr als 60 Jahren seines Bestehens nie um UNO-Resolutionen zu kümmern brauchte und nie befürchten mußte, daß bei Nichtbeachtung Sanktionen folgen würden, hat es gar nicht so nötig, viel Geheimhaltung zu betreiben!
Empörung über Enthüllungen erleichtert die Durchführung von Plänen einer stärkeren Zensur des Internets.
F. William Engdahl beleuchtet einen weiteren Gesichtspunkt, weshalb die USA an den Veröffentlichungen zum Teil interessiert sind. Unter „,WikiLeaks‘ – eine gefährliche Schwindeloperation der US-Regierung “ fragt er: Ist die Aktion nur ein Vorwand, um das Internet zu überwachen? Und er führt aus: Bei dem ganzen empörten Geschrei über Wikileaks in Washington wird deutlich, daß der Skandal dazu dient, den langgehegten Plan von Obama und Bush (zu verwirklichen), das Internet, das bisher noch frei ist, zu überwachen.
Die eigentliche Anklage steht auf ganz schwachen Füßen
Zum Schluß sei noch einmal auf die sachfremde Anklage gegen Assange zurückgekommen. Dazu findet man den brisanten Beitrag: http://www.kopp-online.com/hintergruende/geostrategie/udo-ulfkotte/wikileaks-wie-unter-politischem-druck-aus-einer-romantischen-sommernacht-mit-julian-assange-fuer-ei.html 08.12.2010WikiLeaks: Wie unter politischem Druck aus einer romantischen Sommernacht mit Julian Assange für eine Schwedin eine „Vergewaltigung“ wurde, Udo Ulfkotte
Da liest man: Zeitgleich mit der Hetzjagd auf ihn (Assange) setzte bei Twitter eine geheimnisvolle Löschaktion ein. Denn dummerweise hatte eine der angeblich von Julian Assange „vergewaltigten“ Frauen sich am Morgen nach der angeblichen Vergewaltigung per Twitter bei ihm für die romantische Nacht bedankt. Jeder, der wollte, konnte und sollte da noch an ihrem Glück teilhaben.
Erst Tage später löschte die angeblich vergewaltigte Frau, A. Ardin, eine schwedische Feministin, den Twitter-Eintrag. Aber Assange und seine Truppe hatten (vorahnend?) aufgepaßt und die Texte heruntergeladen. Und da findet man u.a.: Sie ging sehr gern mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange auf Parties, jedenfalls im August 2010. Sie war in ihn verliebt. Über die besagte Nacht vom 14. auf den 15. August 2010, in der die Vergewaltigung stattgefunden haben soll, schrieb Frau Ardin: Sitzen draußen um 2 Uhr und frieren kaum, zusammen mit den coolsten und smartesten Leuten der Welt, einfach wundervoll.
Woher kam aber der Wandel? Die Liebe endete, als sich herausstellte, daß es Assange gleichzeitig mit einer weiteren Frau hielt. Darin kann eine Frau zweifellos einen Vertrauensbruch sehen, der auch ein schweres Unrecht ist, aber der Tatbestand einer Vergewaltigung ist wirklich nicht erfüllt. Stellt sich nur die Frage, ob eine der Frauen in die Absicht eingeweiht war, Assange über die Anklage wegen Vergewaltigung zu Fall zu bringen. Die „Nebenbuhlerin“ könnte sogar auf Assange angesetzt worden sein, um über Eifersuchtsgefühle Frau Ardin zu einer Anklage zu veranlassen.
Die dafür notwendigen Löschaktionen auf dem Twitter waren jedoch gar nicht so leicht zu bewerkstelligen, denn es wird dargelegt: Nur eines konnten weder die schwedischen Staatsanwälte noch die beiden Frauen: den Cache im Internet löschen. Dazu bedurfte es schon einiger höherer Stellen, etwa der Hilfe von Regierungen oder Geheimdiensten. Wie Sie sehen, ist der tiefe Fall des WikiLeaks-Gründers sehr genau vorbereitet worden. Und man darf nun gespannt darauf sein, ob es einen politisch korrekten Schauprozeß geben wird.
Noch bedenklicher ist der Europäische Haftbefehl, mit dem die Schweden Assange jagen ließen, Er hat eine Besonderheit: Die behauptete Straftat muß nicht nachgewiesen werden, das Vergehen muß auch nicht in allen Ländern unter Strafe stehen. Er ist das perfekte Instrument, um einen Unschuldigen zu jagen.
Danach könnte die schwedische Staatsanwaltschaft den wahren Hergang gekannt und aus Politgründen dennoch Anklage erhoben haben.
Wie bei der Hetze gegen Sarrazin könnten die Angriffe auf den Enthüller Assange von den gleichen Kräften, gesteuert werden, die – jedenfalls teilweise – Interesse an der Veröffentlichung hatten.
Das Verwirrspiel ist schon gekonnt aufgebaut, aber wenn man die einzelnen Meldungen logisch betrachtet, entwirrt es sich ziemlich. Es ist ja auch nicht wichtig, daß man jede Einzelabsicht durchschaut, es genügt, wenn man eine wichtige Zielrichtung erkennt, daß die Meinungsfreiheit weiter eingeschränkt werden soll. Dafür nehmen die Herrschenden auch einmal schockierende Enthüllungen hin, zumal die Erfahrung lehrt, daß sich kein wirklicher Sturm der Entrüstung erhebt, der Wandel schaffen könnte.
Dieser Zustand muß sich ändern!
Elke und Dr. Gundolf Fuchs

