Des Volkes Reichtum war seine Kraft. Zweimal besiegt, zweimal beraubt, schuf es durch Fleiß, Ausdauer und Ideen neuen Wohlstand und neue Ordnung.
Zweimal pflichttreu und in Liebe zum Lande der Väter und Mütter gekämpft gegen die Übermächtigen der Welt und überlebt – dieses Volkes Wunder war Schrecken und Stachel den anderen, schürte ihren Neid und Verdächtigung unseres Wesens, das sie feindselig und grausam wähnten seit der Herrschaft Karls des Großen.
Fort wünschten sie die Erinnerung an die Zeit des Heiligen Deutschen Reiches, auslöschen wollten sie aus dem Gedächtnis aller Völker, daß deutsche Menschen die Dome und Münster, die Werke von Bach, Beethoven und eines ganzen Chors genialer Komponisten, der Schar unserer Dichterfürsten, die Leistungen der deutschen Technik, der Wissenschaft und der Heilkunde in der Mitte Europas vollbrachten. Vergessen sollte sein, was Deutschsein war.
Feindstaat von Ewigkeit zu Ewigkeit war uns beschlossen. Freiheit und Eintracht, das Goldene Zeitalter einzuläuten verhießen sie den Völkern.
Die sich als Friedensstifter priesen, beschieden uns den Untergang des Volkes, die zweite Auferstehung zu verhindern. So raubten sie, unterjochten, schändeten, mordeten und verschleppten, verwirrten die Geister, schleusten Fremde ins Land.
So kroch, selbst als die Waffen schwiegen, Hunger, Qual, Verzweiflung und Tod heran an die Kinder, Frauen, Greise, die Waffenlosen und Entwaffneten. Sie mußten sterben, ohne von Schuld zu wissen. Sie mußten sterben bei hellem Wissen von ihrem Recht. Sie mußten leiden, sterben, weil sie Deutsche waren.
So wisse, daß du dieses Volk bist, erfahre das Sterben und Leiden jener, die vor dir waren, die mit Fleiß und Freuden, unter Mühen und in Not schafften, was du vor Augen siehst, die Städte, die Straßen, die Bahnen, die Deiche – für dich. Menschen deiner Sprache und deines Sinnes waren sie. Erfahre die Höhen und Tiefen und den letzten qualvollen Hauch ihres Atems.
Sieh und höre, was Menschen uns antun konnten, doch grolle nicht den tausend Tätern. Vergiß sie und die, die Herr über dich sein wollen. Begreife, daß sie auch künftig deines Volkes schlichte Sinnesart verkennen, daß sie dich belauern und zu überlisten trachten. Finde deinen Weg.
Erhebe dich aus der Erinnerung an das große Leiden und Sterben zu neuer Umsicht. Deine Zeit ist heute. Deine Trauer um die Millionen der Deinigen, sie sei deine Würde. Sie verleihe dir den Glauben an deine Kraft und dein Recht.
Hajo Herrmann
(Entnommen mit freundlicher Genehmigung aus „Soldat im Volk“, November/Dezember 2005, Seite 231)
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