
In den vergangenen Tagen wird es trotz dem Karneval, den Aufständen in der arabischen Welt, dem politischen Aschermittwoch, bei dem Westerwelle von dem “Wirtschaftswunder der letzten 12 Monate” gesprochen hat, und bei den sonstigen Märchen in der Politik wohl auch dem letzten Bundesbürger aufgefallen sein, dass sich etwas an den Tankestellen geändert hat. Und zwar nicht nur der Preis. E10, das Kürzel für das neue Biobenzin, wurde dank einer neuen EU-Verordnung in der ganzen EU eingeführt. Doch ist das Super-E10 wirklich so super, wie es die Bundesregierung behauptet? Wir haben uns ein bisschen mit den Fakten beschäftigt…
E10 steht für Bio-Ethanol 10%. Dies bedeutet, dass dem Benzin bis zu 10% Bio-Ethanol beigemischt wird. Bio-Ethanol ist ein aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen (meist Weizen) gewonnener Alkohol. Dem bisherigen Benzin wurde bis zu 5% Bio-Ethanol beigemischt. 2008 wollte der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) E-10 einführen, jedoch kippte er sein Vorhaben aufgrund falscher Annahmen in der Hinsicht auf die Zahl der Autos die E-10 nicht vertragen. Angenommen waren 375.000 Fahrzeuge. Aber als sich herausstellte, dass mehr als eine Million Fahrzeuge E-10 nicht vertragen, entschied er sich gegen die Durchführung mit der Begründung, es sei sozial nicht vertretbar. (1)
Damals war der Ausbau der Biokraftstoffe Bestandteil der Koalitionsvereinbarungen zwischen Union und SPD. Heute sind laut ADAC rund drei Millionen (!) Autos betroffen, die den Biosprit nicht vertragen (2). Hinzu kommen rund eine Million Zweiräder, sowie unzählige, benzinbetriebene Kettensägen, Rasenmäher, Stromaggregate, Bootsmotoren usw. Jetzt allerdings wird es nicht als “sozial nicht vertretbar” eigestuft! So schnell kann sich in der BRD etwas ändern. E10 wird nun von den großen Ölgesellschaften um etliche Cents pro Liter billiger angeboten, da sie das Ethanol weiterverkaufen müssen, denn sie sind verpflichtet 6,25% ihres Kraftstoffs als Bioethanol abzunehmen, ansonsten müssen sie Strafe zahlen.
Laut der EU sind Verstöße unter anderem gegen die oben genannte Quote mit Sanktionen zu verfolgen: “Die Sanktionen müssen wirksam, angemessen und abschreckend sein”. (3)

Der eine proklamierte Grund zur Einführung von E10 ist, dass man nicht mehr so abhängig vom Öl sei. Allerdings führt der Wenigerverbrauch von Öl allenfalls dazu, dass in außereuropäischen Ländern das Öl billiger wird und somit mehr gekauft wird. Der andere Einführungsgrund: “großer Beitrag zum Klimaschutz”, ist zudem sehr fraglich. Denn abgesehen davon, ob das ganze Gerede über den Klimaschutz ehrlich gemeint oder nur Geldmacherei ist (Umweltplaketten für Autos, teure Energiesparlampen, usw.), ist es umstritten, ob die CO2-Bilanz damit wirklich besser wird. Die zur Ethanolgewinnung angebauten Planzen verbrauchen nämlich viel Platz und das geht auf die Kosten von forst- oder landwirtschaftlich genutzen Flächen.
Und auch wenn deswegen nicht extra Wälder gerodet werden müssen, nimmt die Anpflanzung Platz weg, an dem normalerweise Lebensmittel angebaut würden. Wenn weniger Essen angebaut wird, jedoch die Nachfrage logischer Weise gleich bleibt wird das Essen teurer. So sagte Sabine Eichner von der Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie: “Wir haben die Sorge, dass die Konkurrenz auf den Anbauflächen zunimmt und dass sich das auf die Preise auswirkt.” (4)
2010 wurden 62,5 Prozent des in Deutschland verbrauchten Bioethanols in Deutschland hergestellt. Die restlichen 37,5% wurden überwiegend aus anderen europäischen Ländern importiert. Laut dem Statistischen Bundesamt werden in Deutschland zirka 12 Millionen Hektar Ackerfläche bewirtschaftet. 2% davon würden zur Anbaufläche von Bioethanol-Pflanzen genutzt. Laut der Bundesregierung wird das Bioenthanol zu 60% aus Gedreide hergestellt, zu 30% aus Zuckerrüben und zu 10% aus Brasilien importiertem Palmöl. (5)
Landwirte können beim Verkauf von Weizen, Zuckerrüben oder Mais entscheiden, ob sie ihre Produkte an die Ernährungsindustrie oder an Biogas- und Biospritproduzenten verkaufen. Da dies hoch subventioniert wird, ist ein solcher Weg für viele Landwirte attraktiver. Und für sie wird noch zusätzlich ein sicherer Absatzmarkt erschlossen. Der Anbau erfolgt allerdings meist als Monokultur, da somit der Gewinn maximiert werden kann. Durch die einseitige Bepflanzung vermehren sich die Schädlinge und Pflanzenkrankheiten, mehr Gift muss dagegen angewandt werden und Boden, Grundwasser und Umwelt werden somit stark belastet. (6)
Dazu kommt noch die Erkenntis der Universität Bielefeld: “Bei der Verbrennung von Ethanol bilden sich Formaldehyd und Acetaldehyd. Beide Aldehyde gelten als Vorläuf er von Ozon. Dieses kann in hohen Konzentrationen Atemwegsreizungen hervorrufen. Formaldehyd gilt zudem als krebserregend.” (7)

Soweit so schlecht, und es kommt noch ein Fakt hinzu, der die meisten dazu bewegt, E10 zu abzulehnen: Der Preis. Um E10 überhaupt verkaufen zu können, wurde der Preis für Super-Benzin um etliche Cents erhöht. Wenn man bedenkt, dass Tests ergeben hatten, dass der Kraftstoffverbrauch von E10 gegenüber herkömmlichem Sprit deutlich höher liegt, wirkt sich E10 unterm Strich sogar teurer aus. (8)
Wenn ein Auto wegen dem E10 Schaden nimmt, obwohl es vom Hersteller für E10 freigegeben ist, liegt die Beweispflicht beim Fahrzeughalter. Kann er beweisen, dass das E10 den Schaden verursacht hat, muss der Autohersteller zahlen. Jedoch ob ein Gutachter dies beweisen kann, ist sehr zweifelhaft. 10% der Autos (meist ältere) in Deutschland vertragen E10 nicht. Dichtungen und Leitungen werden spröde, an Aluminium-Teilen kann es zu Korrosion kommen.
Aufgrund des im Bioethanols enthaltenem Wassers, wird der Wassergehalt im Motor erhöht, bzw. bildet sich erst Wasser im Motor. Dies kann zu Motorschäden führen oder mindestens zu einem höhren Verschleiß. Die einzige Möglichkeit, das Wasser wieder herauszubekommen, ist, so lange Auto zu fahren, bis der Moto heiß genug ist und das Wasser verdunstet, aufsteigt und so ganz aus dem Motor entweichen kann. Wenn man Kurzstrecken fährt, ist dies nicht möglich, da der Motor nicht heiß genug wird. Und auch im Winter wird es problematisch, auch auf längeren Strecken den Motor genügend aufzuheizen.(9)
Wirtschaftsminister Reiner Brüderle (FDP) traf sich am 08. März 2011 mit einigen Beteiligten rund ums E10 zu einem “Benzin-Gipfel” im Wirtschaftsministerium. Dies ist noch ein Indiz dafür, dass es hier nicht um die Umwelt, sondern um das Kapital geht. Denn eigentlich wäre der (leider unfähige) Umweltminister dafür zuständig. Umweltminister Norbert Röttgen meinte zu diesem Vorgehen nur, dass Brüderle ein “Filou” (frz. Spitzbube, Betrüger) sei (10).
Ein “Gipfel” war das allerdings nicht. Eher aus der Not heraus ein Treffen derer, die mit E10 Geld verdienen wollen und sich noch nicht ganz einig waren, wie sie die Bürger zum E10-Kauf überreden könnten. Das aus dem Treffen hervorgegangene Blatt “Erklärung zur Einführung von E10-Kraftstoff” ist nicht mehr oder minder eine Anleitung, wie sie mit “dem ADAC, dem AvD und der Landwirtschaft” die “E-10-Verweigerer” mit gezielter Werbung umlenken wollen. (11)
270 Milliarden Euro müsste die EU jährlich investieren, um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, denn die Biokraftstoffe müssen mindestens 35%, ab 2017 sogar 50% der Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen einsparen (12). Neue Biokraftstoffanlagen, die nach 2017 errichtet werden, müssen Treibhausgas-Einsparungen von 60% erreichen. Auch hier wird es wohl wieder so sein, dass der deutsche Michel an den Kosten einen großen Anteil zu tragen hat. (13)
Eine andere Modellpolitik wäre viel effektiver: Kleinere Autos mit höherer Effizienz und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und anstatt die Bevölkerung mit einem angeblichen “Bio”-Sprit zu veralbern, müsste mehr in die Technik zu investiert werden – und zwar unabhängig von sämtlichen Lobbys. Die Mineralöl-Lobby hat Interesse daran, solange es noch Öl gibt, es auch (teuer) verkaufen zu können. Und auch die Regierung hat in gewisser Weise Interesse daran, da viele Steuern über den Kraftstoffverkauf eingenommen werden, die dann wieder veruntreut werden können. Dies würde bei einem Auto mit Elektro- bzw. Wasserstoffantrieb nicht so einfach sein. Die Gewinner sind wenige Biokraftstoffhersteller, einige Politiker. Und das Volk verliert wieder einmal. Ganz nach demokratischer Manier.
Es bleibt nicht mehr zu sagen, als dass in einem Nationalen Sozialismus solche Bubenstücke in der Wurzel bekämpft würden und eine fähige Regierung sich für ehrlichen Naturschutz einsetzen würde, frei von Korruption und den Interressen von Magnaten – eben zum Wohle des Volkes.
—-
Quellen (Prädikat “Guttenberg-frei”):
(1) – Welt online (02.04.2008)
(2) – Welt online (08.03.2011)
(3) – RICHTLINIE 98/70/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES, S. 21, Artikel 9a (pdf)
(4) – Südwest Presse (05.03.2011)
(5) – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (07.03.2011)
(6) – az-online.de (07.03.2011)
(7) – mdr.de (06.12.2010)
(8) – online-presseportal.de (18.02.2011)
(9) – Hamburger Morgenpost (06.03.2011)
(10) – Passauer Neue Presse (09.03.2011)
(11) – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (08.03.2011)
(12) – Artikel 8 der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (pdf)
(13) – Die Bundesregierung (09.03.2011)

